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M|oderne Zeiten

16. Januar 2010 von Rob in Unterwegs.

00:45 Uhr City Night Liner nach Berlin / Warschau

Die Vorhänge sind zugezogen – man will ungestört bleiben. Zaghaft öffne ich die Tür des engen Zugabteils, die sich nur mühsam öffnen will, als wolle sie den vermeintlichen Angreifer in die Flucht schlagen. Das fahle Kunstlicht der Außenwelt trifft auf müde Augen, die fast fragend mich, den Eindringling, zu durchbohren scheinen, ein Kind schläft längs der Sitze, die Mutter zieht es behutsam zu sich. Die schmale Ablage biegt sich angesichts der vielen Taschen und schweren Koffer – es sieht eher nach einer Vertreibung, als nach einer Reise aus. Die Beine suchen ständig nach Raum, der Körper wälzt sich in den unbequemen, harten Sitzen und ist doch mit keiner Position zufrieden. Die Fenstervorhänge sind geschlossen, so scheint man durch ein Nichts zu fahren und verpasst, wie die Landschaft in der Dunkelheitl seine Schatten hinterher wirft. Im spärlichen Deckenlicht erkennt man ermattete Gesichter und meint die gemeinsame Hoffnung zu erkennen, dass auch diese Reise ihr Ende finden wird. Diese kleine Welt teile ich jetzt also die nächsten fünf Stunden mit fremden Menschen, die – wie ich – nur eine Zugfahrt im 21. Jahrhundert unternehmen…

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7 A|nmerkungen

  1. The Exit #
    16. Januar 2010, 11:09

    Nachtzüge sind auch im 21. Jahrhundert etwas ganz besonderes!

  2. Silke #
    16. Januar 2010, 17:20

    Respekt, dass du dich bei diesem Wetter überhaupt traust, mit der Bahn zu fahren.
    L.G.

  3. Markus #
    18. Januar 2010, 00:42

    Herr R|ob, geben Sie’s zu: das haben Sie doch aus einer Dostojekwski-Übersetzung abgeschrieben.

  4. r|ob #
    18. Januar 2010, 01:20

    @exit
    Besonders war es auf jeden Fall ….

    @silke
    Ich musste, “möchten” war leider keine Option…

    @narkus
    Der ist sicherlich komfortabler gereist ;) …

  5. thomas kiwispotter #
    19. Januar 2010, 03:47

    Sag ich immer, Zugfahren ist schön. Wann hat man schon soviel Zeit andere zu studieren oder sich Gedanken über Gott und die Welt zu machen. Vor allem in Nachtzügen.

  6. tuckenalarm #
    19. Januar 2010, 20:00

    in der schweiz haben wir ein schönes wort, um so etwas wie solche zugfahrten zu beschreiben: “speziell”.

    früher war das noch schön, mit barwagen, uralten wagen und der ganze zug eine party. aber das gibts leider nicht mehr.

    aber weisst du, jede dieser fahrten ist anders, je nach dem, wen du im abteil hast. hatte mal einen im bett unter mir, der trat am nächsten tag in der wiener oper auf. und neulich – nur idioten.

    vielleicht ist nachtzugfahren das einzig verbliebene wirklich spannende am 21. jahrhundert. probier’s ruhig nochmal ;-)

  7. r|ob #
    20. Januar 2010, 14:37

    @tuckenalarm
    oh ja, “speziell” ist DAS schweizer Wort! …

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