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Ein Blog ist ein Blog ist ein Blog
23. Juli 2007 von Rob in gesehen -hört -tan -dacht.

foto|pixelio.de
Es muß sie geben, diese Heilige Schrift für Blogs. Dieses geheimnisvolle Nachschlagewerk für Menschen, die annähernd geordnet Ihre Gedanken in die weite, digitale Welt treiben wollen.
Ein magisches Druckwerk mit den Geboten vernünftigen Bloggens.
Ich habe es noch nicht gefunden, aber so viele, die nicht wie ich ein Frischblogger, sondern erprobte, mit „Ahhhs“ und „Ohhhs“ dekorierte Blogger sind, sprechen von dem Handbuch, dessen Existenz sich nie bewiesen, jedoch mythisch überliefert hat, weihevoll und stets mit wichtigem Blick.
Nur so erklären sich Sätze wie „ Ein Blog ist nie 3-spaltig“ Oder war es 4-spaltig? Ich weiß es nicht mehr. Verärgert man den omnipotenten Bloggeschmackshüter, quasi den Dumbledore der virtuellen Privatgedanken, wenn man unwissend seinem Blog gar eine 5. Spalte (für was auch immer) gönnt? „Nur nicht bunt – alles sehr schlicht“ höre ich es eindringlich aus schmalen Mündern, aus denen so viele kleine Geschichten in die Tastatur fließen und im heimischen Blog so zum Lesen für alle Interessierten wieder in die Freiheit entlassen werden und in die Leserhirne schweben. Alles ganz schlicht natürlich. Und bitte keine Kinder, Katzen oder Blumen! „Wer will dann so etwas?“ ruft die A-Bloggergemeinde, die in der A-Bloggergemeinde ist, weil sie eben dieses Buch haben müssen, in dem steht, was man tun muß und auf gar keinen Fall machen darf. Vielleicht haben sie das Buch ja auch geschrieben – Diesen Netzknigge.
Und aus den Geschichten der A-Blogger werden jetzt kleine Bücher gemacht, damit die B-Bloggergemeinde sich dann fragen muss, ob man das machen darf. Blogger wollen nämlich nicht kommerziell werden, höre ich es allenthalben, sondern privat und schlicht bleiben – privat ja, aber ohne Kinder, Katzen und Blumen versteht sich. „Wer will dann so etwas?“ ruft da wieder die A-Bloggergemeinde und tanzt während dessen um das goldene Kalb, das aus Zugriffszahlen und durchschnittlicher Verweildauer besteht.
Es muß dieses Buch geben…
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16 A|nmerkungen
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Kommentare für r|ob
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Ultimonativ #
24. Juli 2007, 00:05
Aber um das goldene Kalb tanzen sie an einem heimlichen Ort, denn sie wollen bei diesem Ritual nicht beobachtet werden. ;-) Jeder am besten so, wie er mag. Grundkonsens ist der kleinste gemeinsame Nenner: Wir schreiben ins Internet. Punkt.
Markus #
24. Juli 2007, 00:58
Ach Herr Rob, jetzt schielen auch Sie wie gebannt tagtäglich auf die Zugriffszahlen?
Entspannen Sie sich, machen Sie einfach weiter wie bisher, ignorieren Sie getrost alle Ratschläge (wie ich es zwischen den Zeilen Ihres Postings lese, haben Sie ja auch genau das vor) und erfreuen Sie sich und Ihre automatisch zunehmende Leserschaft (also ich meine jetzt nicht, dass die alle dicker werden) mit Ihren Wortspülen, Entdeckungen, Notizen, Empfehlungen und Ihrem Humor
und geben Sie nichts auf wohlmeinende Kommentare, die Ihnen sagen wollen, was Sie zu tun oder zu lassen haben, ähm, das letzte streiche ich lieber.creezy #
24. Juli 2007, 08:12
Hm … ich presse jetzt mal meine schmalen Lippen noch schmallippiger zusammen … ;-)
Naja, wobei die «Regeln» zur Gestaltung weniger was mit den Blogs an sich zu tun haben, als mit der Gestaltung von Webseiten im Web und die sollte nun mal einfacher sein, weil die Lesbarkeit am Monitor einfach nicht so dolle ist. Selbstverständlich kann man Blogs auch vier- fünf- und sechsspaltig machen. Man kann mit seinem Blog alles machen. Man sollte sich nur fragen, wird es so noch gelesen? Gerne gelesen? Ab welcher Spalte der durchschnittliche Leser bei der Inhaltsaufnahme bereits aussteigt, sollte man sich schon fragen – vorausgesetzt man möchte ein gut besuchtes Blog haben. Die meisten Bloglesen blenden Spalte 3, gerne den Google-Ads vorbehalten, üblicherweise bereits aus. Eine Spalte Nr. 4 – möglicherweise mit ernstzunehmenden Inhalt erreicht den Leser noch in den seltensten Fällen. Was will ich von einem Blog? Gestalterischen Firlefanz angucken oder die Inhalte lesen? Wenn der Blogeigner sich schon schwer tut, seinen Content auf noch zwei Spalten zu verteilen, sollte er sich fragen ob er seine Leser möglicherweise zuviel zumutet. Hier spalten sich schon die Leser in Gruppen: wer nur zwei Blogs liest, kommt mit schräg gestalteten Blogs logischerweise deutlich entspannter klar als der Blogfreak, der 100 Blogs in seiner Blogroll gespeichert hat – der will nicht vor dem neuen erfundenen Blog stehen und suchen müssen (die Leute fangen dann nämlich wirklich an nur noch über den Feed-Reader zu lesen – und dann nämlich ist tolle Arbeit mit den 35 Blogspalten für’n Allerwertesten.)
Und das sind keine Regeln aus irgendeiner Blog-Fibel als es simple Inhalte einer sehr guten HTML-Schulung sein könnten, deren Dozent nicht nur coden kann sondern sich auch ein bisschen mit gestalterischen Grundlagen, Usability (im Web) und Lesegewohnheiten vom User auskennt. Det woll’n wa also mal nicht so mischen.
Bei den Inhalten bin ich Deiner Meinung. Sofort. Gestaltung ist so einfach nicht in einem begrenzten Medium, das die Dreidimensionalität der Realität nicht bieten kann, außerdem sind es Empfehlungen, keine Regularien. Im übrigen von Menschen, die sich ihre Kompetenz als Designer in langen Studienjahren auch auf Basis viel Forschungsarbeit erkämpft haben. Ich weiß nicht, warum sich viele Menschen sträuben solche „Hilfsregularien“ anzunehmen. Sie tun es nicht für sich selbst, sondern um den Seitenbesucher es auf ihren Seiten gut gehen zu lassen …
Herr Knigge hatte seinerzeit nur sich die Mühe gemacht, bestehende Regeln der Oberschicht für die Unterschicht zu notieren. Er hat niemals die Benimmregeln gemacht, noch sie mit erhobenen Zeigefinger gelehrt – wissen ja die wenigsten. Gute Blogratgeber tun auch nur das, sie vermitteln ihre Kompetenz – zum Thema Gestaltung – zum Beispiel. Man kann das annehmen, man kann aber auch zum lesen unanttraktive Blogs gestalten, will man das nicht und will man sich keine Gedanken über Lesbarkeit machen. Kann man alles. In die Inhalte lässt es sich sowieso keiner ernsthaft ins Bloghirn reden, oder? Das wäre doch der Tag an dem wir alle aufhören würden zu bloggen, nicht wahr? Und gleiches gilt, was das Geld machen mit Blogs anbelangt. Das lässt sich doch ernsthaft niemand vorschreiben, oder? Aber auf die erhobenen Zeigefinger kann man auch mal hören – wenn sie gute Argumente bringen …
Ulli #
24. Juli 2007, 09:17
@ rob:
irgendwie war das ganze doch ursprünglich mal, weil man/frau spaß dran haben wollte?
was nicht heisst, dass einige grundregeln (@ creezy) tatsächlich ganz hilfreich sein können, eher als ‘handreichung’, ‘aus erfahrung anderer lernen’
lucky #
24. Juli 2007, 09:37
Sie haben das mit dem Bürgerjournalismus vergessen. Eigentlich sind nämlich alle Blogger die verhinderten besseren Journalisten. Die wissen, was wirklich abgeht und sind auf jeden Fall total unbestechlich. ehrlich.
The Exit #
24. Juli 2007, 09:59
Herr Rob! Ich habe mir, von Ihrem Beitrag inspiriert, einige Gedanken zur Blogger-Bibel gemacht.
Uli #
24. Juli 2007, 10:11
Guter Ansatz, doch leider nicht wirklich erfasst.
Das große Buch des Bloggens wird (wie weiland das Buch der Bücher) erst zu einnem späteren Zeitpunkt geschrieben werden. Wie beim großen Vorbild werden die einzelnen Propheten ihr unendliches Wissen nur vage und metaphorisch weitergeben, damit nachfolgende Generationen die Überlieferungen sammlen und niederschreiben können.
Bis dahin werden wir weiter an den Worten der Erleuchteten kleben und unseren armseligen Weblogs im Schatten ihres Glanzes betreiben.
Amen.
Jekylla #
24. Juli 2007, 12:01
Auch auf die Gefahr hin, jetzt ungemein ignorant zu wirken: ist mir alles relativ egal. Wenn ich Bluemchen bloggen will und das quer ueber 5 Spalten, mach ich das einfach. Die Freiheit nehm ich mir.
Und mein privates Blog-Feng-Shui sagt auch
“Do whatever you like, as long as it feels right”.
Und mein Blog-Credo sagt, dass man mit den Grundregeln der Hoeflichkeit und Freundlichkeit auch gute Chancen hat, das Bloggen zu geniessen. Als das, was es sein sollte: Spass und interessante Unterhaltung.
Sie wirken ein wenig veraergert, Herr Rob, kann das?
rob #
24. Juli 2007, 12:04
Ich will eigentlich nur das in Erinnerung bringen, was hier ja auch anklingt: Bloggen soll Spaß machen und den ganzen “Das-macht-man-aber-nicht” Theoretikern die Rote Karte zeigen… ;-) – alles im grünen Bereich…
Jekylla #
24. Juli 2007, 12:11
Ich wollte mich aber eben auch mal echauffieren, mein Adrenalinspiegel war bedenklich abgesackt ;-)
Uli #
24. Juli 2007, 12:14
Bevor ich es vergesse:
Ein interessanter Link zum Thema:
blog.blogscout.de/20…
creezy #
24. Juli 2007, 14:20
@Uli
Stimmt, obwohl Nr. 1 ja schon wieder in die Richtung subjektiv Meinung anderen aufdrücken geht.
@rob
rundsätzlich sind auch die „Das macht man aber nicht“-Theoretiker immer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Nur, man soll sie ja nur lesen, man muss ja nicht deren Meinung zur eigenen Meinung machen. Das ist doch der besondere Freiraum beim bloggen, oder? Ich verstehe zum Beispiel nie die „Aversion“ gegen Alophonso – er kann kann melden was er will. Deswegen lebt doch trotzdem jeder sein eigenes Bloggerdasein, oder?
.markus #
24. Juli 2007, 14:50
Achja, das sag ich ja auch immer.
Meiner Ansicht nach sind die wahre Pest nicht die sogenannten A-Blogger, sondern das anbiedernde Zeug was darunter kriecht und nach oben hin zu Links, Blogcharts, Traffic und Ruhm will. Diese zementieren dieses ganze Blogger-Gehabe. Da rege ich mich auch hin und wieder schriftlich auf.
Aber natürlich kann jeder tun und lassen was er will, genauso wie er sich über etwas aufregen darf. Für mich, mein Blog und meine Leser fülle ich weiterhin leise schreiben nicht vorhandene Nischen, nur ab und zu poltert mal ein bissiger Meta-Artikel in die “Blogosphäre” hinein…
Bhuti #
24. Juli 2007, 19:48
Also für Z-Blogger wie mich sind Katzen und Blumen ein absolutes MUST, damit das mal klar ist ;-)
The Exit #
24. Juli 2007, 21:37
Zu diesem Thema hat ein anderer Robert eine Untersuchung angestellt:
www.basicthinking.de…
truetigger #
24. Juli 2007, 22:11
Blogs sind auch als Therapie sehr hilfreich. Gerade was Umgangsformen angeht bin ich schon mehrfach mit meiner patscherten “Hurra. ein Fettnäpfchen!”-Art angeeckt. Gerade dann aber zeigt sich, dass – zumindest in den Blogs, die ich mag – der Satz mit der gleichen Augenhöhe, den Hr. Exit <a href=“http://blog.the-exit.net/article/1050/die-blogger-bibel”>so treffend formuliert hat</a>, etwas dran ist.
Ansonsten ist ein Blog ein Abbild der Realität. Respekt voreinander, die Mischung zwischen Albernheiten und ernsthaften Themen, das Gefühl die Leser aufgrund ihrer Kommentare und geäusserten Gedanken wirklich langsam kennenzulernen, Enttäuschungen und eigene Dummheiten – fast könnte man Blogs für soziokulturelle Menschenversuche halten.
Ansonsten: Beleidigungen, Katzenbilder und Titten ziehen als Inhalt noch am besten, das Layout dagegen ist überwiegend egal, solang es erträglich ist.